Videospiele als therapeutische Maßnahme – was hat es damit auf sich?




Wie bei der herkömmlichen Spieltherapie, bei der Spielzeug verwendet wird, um den Patienten zu helfen, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, bieten Online-Spiele eine weitere Möglichkeit der Kommunikation. Für manche Menschen, die Angst vor ihrem Aussehen oder vor dem Sprechen haben, ist das Spielen eine Gelegenheit, eine Stimme in ihren verschiedenen Formen zu entdecken, sei es durch Avatare, Kunstwerke oder andere digitale Kreationen.

Dabei hat man festgestellt, dass Kinder, die in einer persönlichen Therapie Probleme hatten, in einer virtuellen Umgebung lebendiger wurden und mehr Selbstvertrauen entwickelten. Das war der größte Vorteile der Gaming-Therapiemethode.

Obwohl es nicht neu ist, Videospiele für therapeutische Zwecke zu nutzen, wuchs das Interesse von Therapeuten an diesem Format erheblich, nachdem die Pandemie einen abrupten Wechsel zur Telemedizin zur Folge hatte. Viele Therapeuten mussten ihr geschäftsmodell anpassen.

Im Dezember 2019 hatte eine Facebook-Gruppe, die sich zusammen für therapeutische Videospiel Maßnahmen einsetzt, knapp 1.000 Mitglieder; jetzt sind es mehr als 5.400.

Therapeuten nutzen Online-Spiele auf unterschiedliche Art und Weise: Sie spielen zusammen mit ihren Patienten oder lassen ihre Patient zu einem bestimmten therapeutischen Zweck selbstständig spielen.

 

Wie Spiele als therapeutische Maßnahmen helfen können

Videospiele haben die Eigenschaft, die Aufmerksamkeit zu fesseln und zu halten. Sie können dabei als Brücke zu anderen Bewältigungsstrategien dienen, falls die Patienten besonders verschlossen sind oder ein großes Angstempfinden aufweisen.

Wenn jemand während einer Sitzung von aufdringlichen Gedanken überwältigt wird, kann das kurzzeitige Spielen eines Videospiels helfen, die Angst zu reduzieren.

Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Videospiele genauso wirksam – und möglicherweise noch wirksamer – sein können wie andere psychosoziale Methoden, insbesondere bei Angstzuständen.

In einer Studie wurde festgestellt, dass die Verschreibung eines Videospiels die Angst der Patienten stärker reduzierte als die Verabreichung eines zweiten Medikaments in der Behandlung.

Obwohl einige Spiele so konzipiert sind, dass sie die Probleme der psychischen Gesundheit hervorheben, können auch Spiele, die der Unterhaltung dienen, hilfreich sein. In einer Studie aus dem Jahr 2009 fanden Forscher heraus, dass das Spielen des Puzzlespiels Tetris nach dem Anschauen eines traumatischen Films die Flashbacks bei Menschen reduzieren und so das Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung senken kann. Das Spiel zieht die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis auf sich, um zu verhindern, dass jemand diese Erinnerungen immer und immer wieder durchspielt, während das Gehirn sie bildet.

Und manchmal fühlen sich Patienten innerhalb der digitalen Grenzen einer Spielwelt sicherer und freier, um intensive Gefühle zu verarbeiten.

 

Emotionale Kontrolle durch Videospiele?

Spiele können auch dabei helfen, die Fähigkeit zur Emotionsregulierung zu verbessern. Das kann beispielsweise für Kinder eine Gelegenheit sein, „Frustrationstoleranz“ zu üben, wenn diese zum Beispiel bei einer Partie Mario Kart gegen sie verlieren. Und der Umgang mit unvermeidlichen Pannen, wie z. B. wenn ein Spiel lahmt oder den Spieler aus dem Spiel wirft, hilft Kindern, Geduld zu entwickeln und hilft bei Problemlösungsprozessen.

 

 

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